Das Foto zeigt zwei Porträts der beiden Hauptdarsteller.
© Michael Leis | Jenny Klestil
Wenn Sprache zum Minenfeld wird.

Kalter, weißer Mann

Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob
Mit Timothy Peach, Nicola Tiggeler, Andreas Windhuis und anderen
Regie: Marcus Ganser
Euro-Studio Landgraf

Ein Todesfall, eine Trauerfeier, ein Pfarrer, eine trauernde Gesellschaft. Die Abschiedszeremonie für den 94-jährigen Gernot Steinfels könnte geordnet verlaufen – könnte … Horst Bohne, designierter Geschäftsführer, organisiert die Trauerfeier für den verstorbenen Firmenpatriarchen. Ein Trauerkranz mit Schleife soll die Anteilnahme der Belegschaft ausdrücken. Doch als die Angestellten die Aufschrift entdecken – „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ – beginnt das Chaos. Warum nicht „und Mitarbeiterinnen“? Oder „Mitarbeiter_Innen“? Oder „Mitarbeiter*innen“?

Was als sprachliche Kleinigkeit beginnt, eskaliert zur Grundsatzdebatte über Gendergerechtigkeit, Sexismus und politisch korrekte Sprache. Die Trauerzeremonie gerät aus den Fugen, und der künftige Chef stolpert von einem Fettnäpfchen ins nächste. Die Vermittlungsversuche des Pfarrers scheitern kläglich, während sich die Führungsetage der Firma in einem Schlagabtausch über gesellschaftliche Debatten verliert.

Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (Autoren des Erfolgsstücks „Extrawurst“) liefern mit „Kalter weißer Mann“ eine temporeiche, messerscharfe Komödie, die den Wahnsinn unserer Zeit mit treffsicherem Humor entlarvt.

Die Komödie schlägt sich nicht nur auf die eine Seite, sondern entdeckt manche ideologische Ungereimtheit bei der gemeinschaftlichen Suche nach politischer Korrektheit.

Die Glocke Münster

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