Kardinalfehler
37 | 34 | 30 €
29 | 26 | 23 €
Unterhaltung Extra
13. Juni 2026
27. Juni 2026
Komödie in zwei Akten von Alistair Beaton und Dietmar Jacobs
Mit Gerd Silberbauer, Hans Machowiak, Susanne Theil, Katrin Filzen, Sebastian Hölz, Johannes Lukas
Regie: Kay Neuman
Euro-Studio Landgraf
Wenn sich zwei ausgebuffte Spezialisten wie der auch im deutschsprachigen Raum vielgespielte Alistair Beaton und der preisgekrönte deutsche Comedy-Kultautor Dietmar Jacobs für ein Auftragswerk zusammentun, kann das Ergebnis nur ein durch geschliffene Pointen bestechender Theaterabend mit kluger Gesellschaftskritik werden. „Kardinalfehler“ ist der Titel dieser raffiniert-provokanten Komödie, die durch ihren witzigen und zugleich nachdenklichen Umgang mit einem hochaktuellen Thema wie maßgeschneidert ist für die Gegenwart. Im Kern behandelt das Stück ernste gesellschaftliche Sachverhalte wie die Vertuschung von Geheimnissen, Bestechung, ineinander verflochtene Machtstrukturen und Bedrohungen. Dabei trifft feinsinniger Humor auf scharfe Analyse kirchlicher wie politischer Mechanismen.
Ein deutsches Bistum feiert sein 700-jähriges Jubiläum – alles scheint perfekt. Bischof Konrad Glöckner gilt in Rom als moralisches Vorbild, die Residenz ist skandalfrei, Kirchenaustritte sind selten. Der Papst wird während seiner Deutschlandreise eine Nacht im bischöflichen Palast verbringen. Doch drei Wochen vor dem Besuch taucht Emma Lind auf – mit einem Foto, einem DNA-Test und einer gestohlenen Bischofsmütze.
Sie ist jung, selbstbewusst und offenbar Glöckners Tochter aus einem alten Fehltritt im Priesterseminar. Ihre Mutter hatte erzählt, der Vater sei in Afrika gestorben, doch Bild, Poststempel und Geldsendungen sprechen eine andere Sprache. Emma gibt dem Bischof 24 Stunden Zeit, um zu entscheiden, wie es weitergehen soll – ein Countdown, der mehr als seine Karriere bedroht. Jede Stunde erhöht den Druck in der makellos inszenierten Kirchenidylle. Generalvikar Koch will vertuschen und verhindern. Doch dann trifft der vatikanische Reisemarschall ein, will den Ablauf der Papstvisite klären und das Archiv prüfen. Was dabei zutage kommt, ist ebenso brisant wie Emma, die sich nicht mit Schweigegeld abspeisen lässt.
Wie sich der von dem Katholiken Jacobs und dem schottischen Protestanten Beaton geschriebene Bühnenhit, der durch seine beißend zugespitzten Dialoge viel schadenfrohes Wiedererkennungsgelächter provoziert, auflöst, soll noch ein hinter Kirchenmauern verborgenes Geheimnis bleiben.
Mainzer Allgemeine Zeitung
